Interdisziplinäres Seminar Interdisziplinäres Seminar

More than Human More than Human

Tiere, Daten, Perspektiven – Digital Storytelling Tiere, Daten, Perspektiven

Räume entstehen nicht allein durch menschliche Planung. Tiere reagieren auf Straßen, Licht, Nahrung, Wetter und Störungen. Ihre Bewegungen machen Beziehungen sichtbar, die aus menschlicher Perspektive leicht übersehen werden. Das Seminar folgt diesen Spuren und untersucht, wie aus Bewegung Daten, aus Daten Deutungen und aus Deutungen verantwortete digitale Geschichten entstehen. Tierbewegungen zeigen, wie Natur, Siedlung und Infrastruktur miteinander verbunden sind. Das Seminar macht aus diesen Spuren begründete digitale Geschichten.

Die Welt wird nicht nur von Menschen erzählt. Die Welt wird nicht nur von Menschen erzählt.

Kurzbeleg: (Whatmore, 2006; Nathan et al., 2008)

02

Die Perspektive verschiebt sich Die Perspektive verschiebt sich

Wer handelt im Raum? Wer handelt im Raum?

More-than-Human richtet den Blick auf Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Infrastrukturen und Umwelten. Tiere erscheinen dabei weder als bloße Datenpunkte noch als menschliche Figuren. Ihre Wege werden als artspezifische Reaktionen auf Ressourcen, Barrieren, Risiken und Veränderungen untersucht. Tiere reagieren auf Ressourcen, Barrieren und Veränderungen. Ihre Wege prägen Räume mit.

Perspektivwechsel bedeutet nicht, Tieren menschliche Absichten zuzuschreiben. Er bedeutet, menschliche Deutungen offenzulegen und tierliches Verhalten fachlich begründet zu interpretieren. Perspektivwechsel heißt: menschliche Deutungen prüfen und tierliches Verhalten fachlich einordnen.

Kurzbeleg: (Whatmore, 2006; Karlsson, 2012; Lorimer, 2010)

03

Drei Tiere, drei Bewegungsräume Drei Tiere, drei Bewegungsräume

Jede Route trifft auf eine andere Welt. Drei Tiere. Drei Räume.

Bewegung verbindet Verhalten, körperliche Möglichkeiten, Orientierung und Umweltbedingungen. Eine Route erhält deshalb erst Bedeutung, wenn Tierart, räumlicher Maßstab und Landschaft gemeinsam betrachtet werden. Fuchs, Wolf und Weißstorch bewegen sich in unterschiedlichen Maßstäben und reagieren auf jeweils andere Landschaften.

Kurzbeleg: (Nathan et al., 2008)

Ringwood, Großbritannien Ringwood, Großbritannien

Rotfuchs

Zwischen Hecke, Garten und Straße Zwischen Hecke, Garten und Straße

Wie verändern Siedlungsränder die Bewegungsmöglichkeiten eines Tieres, das Wald, Gärten, Verkehrsflächen und menschlich geprägte Ressourcen miteinander verbindet? Wie prägen Gärten, Straßen und Waldränder seine Wege?

Fort McMurray, Kanada Fort McMurray, Kanada

Wolf

Zwischen borealem Wald und Infrastruktur Zwischen borealem Wald und Infrastruktur

Wann werden Straßen, Schneisen und Flächen der Ressourcennutzung zu Barrieren, Korridoren oder Risiken im Bewegungsraum eines großen Beutegreifers? Wo werden Infrastruktur und Ressourcennutzung zu Barrieren oder Korridoren?

Karlsruhe, Madrid und europäische Migrationsräume Karlsruhe, Madrid und europäische Migrationsräume

Weißstorch

Zwischen Brutgebiet, Rastplatz und Fernroute Zwischen Brutgebiet, Rastplatz und Fernroute

Wie verbinden Zugbewegungen weit entfernte Landschaften, Landnutzungsformen und klimatische Bedingungen? Wie verbinden Zugrouten weit entfernte Landschaften?

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Daten lesen Daten lesen

Eine Route ist noch keine Erklärung. Eine Route ist noch keine Erklärung.

GPS-Trackingdaten dokumentieren Zeit und Position. Plattformen wie Movebank ermöglichen es, solche Daten zu verwalten, zu visualisieren, zu analysieren und mit Umweltinformationen zu verbinden. Koordinaten zeigen zunächst jedoch nur, wo ein Tier erfasst wurde. Erst zusammen mit Datenqualität, zeitlicher Auflösung, Landnutzung, Wetter, Infrastruktur und artspezifischem Wissen werden daraus begründete Aussagen. GPS-Daten zeigen Zeit und Position. Bedeutung entsteht erst durch Kontext, Datenqualität und Fachwissen.

Die Karte zeigt eine Spur. Interpretation beginnt dort, wo wir nach Bedingungen, Unsicherheiten und fehlenden Informationen fragen. Eine Spur ist ein Befund, noch keine Erklärung.
  • Welche Umwelt- und Landnutzungsbedingungen liegen entlang der Route? Welche Bedingungen liegen entlang der Route?
  • Welche Muster verändern sich mit Tageszeit, Jahreszeit oder räumlichem Maßstab? Wie verändert sich das Muster über Zeit und Maßstab?
  • Welche Messfehler, Datenlücken und nicht erfassten Wahrnehmungen begrenzen unsere Deutung? Welche Lücken begrenzen unsere Deutung?

Kurzbeleg: (Kays et al., 2022; Nathan et al., 2008)

05

Fachperspektiven und Studiengang Fachperspektiven und Studiengang

Eine Spur. Sieben Formen des Verstehens. Eine Spur. Sieben Perspektiven.

Die Tierbewegung wird aus sechs Fachperspektiven und aus dem Masterstudiengang Kulturelle Bildung betrachtet. Interdisziplinäres Arbeiten entsteht nicht dadurch, dass diese Zugänge lediglich nebeneinanderstehen. Es entsteht dort, wo ihre Begriffe, Methoden und Bewertungskriterien auf dieselbe Frage bezogen und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Sechs Fachperspektiven und Kulturelle Bildung untersuchen dieselbe Bewegung mit unterschiedlichen Begriffen und Methoden.

Nicht jede Perspektive erklärt dasselbe. Entscheidend ist, welchen Ausschnitt sie sichtbar macht, wie sie ihn begründet und wo ihre Grenzen liegen. Zusammen entsteht ein begründeteres Bild.

Kurzbeleg: (Spelt et al., 2009; Kuttner, 2015; Zinsstag et al., 2011)

Fachperspektive

Deutsch

Erzählperspektive · sprachliche Rahmung · Narration · Repräsentation · Adressatenwirkung Sprache · Narration · Repräsentation

Wie verändert Sprache, ob ein Tier als handelndes Lebewesen, als Symbol, als Konfliktfaktor oder lediglich als Datenobjekt erscheint? Wie verändert Sprache unser Bild vom Tier?

Fachperspektive

Geographie

Raum · Maßstab · Landnutzung · Mobilität · Infrastruktur · Mensch-Umwelt-Beziehungen Raum · Maßstab · Landnutzung

Welche räumlichen Beziehungen werden sichtbar, wenn Tierbewegungen mit Siedlungen, Verkehrswegen, Ressourcen und Landschaftsveränderungen verbunden werden? Wie verbindet Bewegung Siedlung, Infrastruktur und Landschaft?

Fachperspektive

Biologie

Verhalten · Wahrnehmung · Anpassung · Ökologie · Lebensweise · Bewegungsstrategien Verhalten · Anpassung · Ökologie

Welche biologischen Voraussetzungen, artspezifischen Bedürfnisse und Umweltbedingungen helfen, die beobachteten Bewegungsmuster zu erklären? Welche Bedürfnisse und Umweltbedingungen erklären die Route?

Fachperspektive

Kunst

Beobachtung · Komposition · visuelle Übersetzung · Materialität · Bildkritik · ästhetische Erfahrung Beobachtung · Komposition · Bildkritik

Wie lassen sich Daten und tierliche Perspektiven sichtbar machen, ohne sie dekorativ zu vereinfachen oder durch eindimensionale Bilder festzuschreiben? Wie werden Daten sichtbar, ohne das Tier zu vereinfachen?

Fachperspektive

Philosophie

Erkenntnisgrenzen · Handlungsmacht · Verantwortung · Tierethik · Anthropozentrismuskritik Erkenntnisgrenzen · Verantwortung · Tierethik

Welche Aussagen können wir über nichtmenschliche Perspektiven begründet treffen, und welche Verantwortung entsteht aus der Art, wie wir Tiere beobachten, beschreiben und darstellen? Was können wir über tierliche Perspektiven begründet wissen?

Masterstudiengang

Kulturelle Bildung

Ästhetische und kulturelle Praxis · Vermittlung · Teilhabe · Diversität · Öffentlichkeit · institutionelle Kontexte Vermittlung · Teilhabe · Öffentlichkeit

Wie kann aus einer datenbasierten Tiergeschichte ein zugängliches Vermittlungsformat entstehen, das unterschiedliche Öffentlichkeiten beteiligt, ohne fachliche Komplexität und widersprüchliche Perspektiven zu glätten? Wie wird daraus ein zugängliches Vermittlungsformat?

Fachperspektive

Alltagskultur und Gesundheit

Ernährung · Bekleidung · Konsum · Gesundheit · Nachhaltigkeit · soziale Beziehungen · alltägliche Lebensführung Konsum · Gesundheit · Nachhaltigkeit

Wie wirken menschliche Alltagspraktiken, Konsumentscheidungen, Ernährungsweisen und Formen der Flächennutzung auf Tiere, Lebensräume, soziale Ungleichheiten und gesundheitsbezogene Lebensbedingungen? Wie prägen Alltagspraktiken tierliche Lebensräume?

06

Digital Storytelling und KI Digital Storytelling und KI

Gestalten heißt auswählen – und begründen. Auswählen. Prüfen. Gestalten.

Digital Storytelling verbindet Sprache, Bild, Karte, Ton und Interaktion. Seine Stärke liegt nicht in der bloßen Addition verschiedener Medien, sondern darin, dass ihre Beziehungen neue Bedeutung erzeugen. KI kann Varianten anregen, Material strukturieren und gestalterische Prozesse unterstützen. Ihre Ergebnisse müssen jedoch fachlich geprüft, transparent eingeordnet und ethisch bewertet werden. Text, Bild, Karte und Ton werden gezielt kombiniert. KI unterstützt Varianten, ersetzt aber keine fachliche Prüfung.

Nicht das Werkzeug entscheidet, welche Geschichte tragfähig ist. Entscheidend sind Datenbasis, Perspektive, Auswahl und Begründung. Werkzeuge helfen. Verantwortung bleibt bei den Gestaltenden.

Kurzbeleg: (Hull & Nelson, 2005; Ng et al., 2021; Wu & Chen, 2020)

  1. 01 Frage schärfen Frage schärfen
  2. 02 Daten und Quellen prüfen Daten prüfen
  3. 03 Perspektiven entwerfen Perspektive wählen
  4. 04 Medien funktional komponieren Medien komponieren
  5. 05 KI-Beiträge kennzeichnen KI-Beiträge markieren
  6. 06 Wirkung und Vereinfachungen reflektieren Wirkung reflektieren

07

Was entsteht Was entsteht

Aus Daten werden verantwortete Erzählungen. Daten werden Erzählungen.

Die Studierenden entwickeln digitale Lernprodukte, die Bewegungsdaten nicht als Beweis für eine fertige Geschichte behandeln. Sie machen Quellen, Auswahlentscheidungen, Unsicherheiten und Perspektiven sichtbar und gestalten daraus fachlich belastbare Zugänge für Unterricht und Öffentlichkeit. Es entstehen digitale Lernprodukte, die Quellen, Auswahl und Unsicherheiten sichtbar machen.

  • Storymaps Storymaps
  • Interaktive Karten Interaktive Karten
  • Datenbasierte Bildergeschichten Bildergeschichten
  • Comics und Storyboards Comics
  • Audioerzählungen Audio
  • Multimodale Unterrichtsmaterialien Unterrichtsmaterial

Spuren lesen. Zusammenhänge prüfen. Perspektiven verbinden. Geschichten verantwortlich gestalten. Spuren lesen. Daten prüfen. Perspektiven verbinden.

Kurzbeleg: (Wu & Chen, 2020; Yang & Wu, 2012)

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Quellen

Wissenschaftliche Grundlagen und Literatur

  1. Hull, G. A., & Nelson, M. E. (2005). Locating the semiotic power of multimodality. Written Communication, 22(2), 224–261. https://doi.org/10.1177/0741088304274170
  2. Karlsson, F. (2012). Critical anthropomorphism and animal ethics. Journal of Agricultural and Environmental Ethics, 25(5), 707–720. https://doi.org/10.1007/s10806-011-9349-8
  3. Kays, R., Davidson, S. C., Berger, M., Bohrer, G., Fiedler, W., Flack, A., Hirt, J., Hahn, C., Gauggel, D., Russell, B., Kölzsch, A., Lohr, A., Partecke, J., Quetting, M., Safi, K., Scharf, A., Schneider, G., Lang, I., Schaeuffelhut, F., … Wikelski, M. (2022). The Movebank system for studying global animal movement and demography. Methods in Ecology and Evolution, 13(2), 419–431. https://doi.org/10.1111/2041-210X.13767
  4. Kuttner, P. J. (2015). Educating for cultural citizenship: Reframing the goals of arts education. Curriculum Inquiry, 45(1), 69–92. https://doi.org/10.1080/03626784.2014.980940
  5. Lorimer, J. (2010). Moving image methodologies for more-than-human geographies. Cultural Geographies, 17(2), 237–258. https://doi.org/10.1177/1474474010363853
  6. Nathan, R., Getz, W. M., Revilla, E., Holyoak, M., Kadmon, R., Saltz, D., & Smouse, P. E. (2008). A movement ecology paradigm for unifying organismal movement research. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 105(49), 19052–19059. https://doi.org/10.1073/pnas.0800375105
  7. Ng, D. T. K., Leung, J. K. L., Chu, S. K. W., & Qiao, M. S. (2021). Conceptualizing AI literacy: An exploratory review. Computers and Education: Artificial Intelligence, 2, Article 100041. https://doi.org/10.1016/j.caeai.2021.100041
  8. Spelt, E. J. H., Biemans, H. J. A., Tobi, H., Luning, P. A., & Mulder, M. (2009). Teaching and learning in interdisciplinary higher education: A systematic review. Educational Psychology Review, 21, 365–378. https://doi.org/10.1007/s10648-009-9113-z
  9. Whatmore, S. (2006). Materialist returns: Practising cultural geography in and for a more-than-human world. Cultural Geographies, 13(4), 600–609. https://doi.org/10.1191/1474474006cgj377oa
  10. Wu, J., & Chen, D.-T. V. (2020). A systematic review of educational digital storytelling. Computers & Education, 147, Article 103786. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2019.103786
  11. Yang, Y.-T. C., & Wu, W.-C. I. (2012). Digital storytelling for enhancing student academic achievement, critical thinking, and learning motivation: A year-long experimental study. Computers & Education, 59(2), 339–352. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2011.12.012
  12. Zinsstag, J., Schelling, E., Waltner-Toews, D., & Tanner, M. (2011). From “one medicine” to “one health” and systemic approaches to health and well-being. Preventive Veterinary Medicine, 101(3–4), 148–156. https://doi.org/10.1016/j.prevetmed.2010.07.003